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Sophia Flörsch: Ein Formel-4-Auto namens Hugo

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2016-05-06 | In ihrer zweiten Kolumne für Motorsport.com blickt Nachwuchsrennfahrerin Sophia Flörsch auf das Formel-4-Wochenende am Sachsenring zurück, an dem sie zwei Mal unter den Top 10 ins Ziel kam.

Liebe Freunde von Motorsport.com,

um mich optimal vorzubereiten – SIM-Training, Video-Schulung – war ich schon am Dienstag via Leipzig zu meinem Team Motopark geflogen. Am Donnerstag ging es dann zum Sachsenring und das Wetter war typisch April: Regen, Sonne, Graupelschauer.

Ich konnte auf der anspruchsvollen Strecke mit schnellen Kurven nur zwei Testtage absolvieren. Nicht viel im Kampf mit erfahrenen Piloten und dem Wissen, dass es auch sehr schnelle Autos auf dieser Berg-und-Tal-Rennstrecke gibt.

Am Freitag ging es gleich morgens um 8:00 Uhr mit dem ersten freien Training los. Ich hatte die Nacht fast kein Auge zugetan, weil ich sehr erkältet war. Trotzdem stand ich nach 30 Minuten auf Platz sechs. Bääääääm. Super gelaufen. Sport1 titelte „Sophia Flörsch im 1. Training schneller als Mick Schumacher“. Gute PR, das macht Spaß. Drei Stunden später das zweite freie Training. Wieder Platz sechs. Diesmal war Mick wenige Hundertstel schneller. Ich war sehr zufrieden, hoffte auf ein noch besseres Qualifying.

Das Zeittraining war von 17:15 bis 18:00. Wie in Oschersleben wurden wir in zwei Gruppen (Gruppe A und Gruppe B) aufgeteilt. Ich wurde in Gruppe A gelost, in der so ziemlich alle schnellsten Fahrer landeten. Mein Team war nach den guten Trainings am Vormittag sehr zuversichtlich. Ich war eigentlich auch guter Dinge, nur merkte ich, dass sich der Nachmittag in die Länge zog und mir wohl ein wenig Schlaf fehlte. Trotzdem lief das Qualifying gut und um vorne zu fahren, zogen wir sogar die zweiten neuen Slicks auf.


Bis zur letzten Runde lag ich auf Position vier. Das wäre okay gewesen, aber dann fuhren in letzter Minute drei weitere Fahrer schneller. Platz sieben in der Gruppe – das war schon enttäuschend. Vor allem fehlten nur wenige Hundertstel auf die nächsten Positionen. Bei der Datenarbeit zeigte mir mein Ingenieur Dennis Layher, dass ich in meiner schnellsten Runde in der ersten Kurve zwei Zehntel verloren hatte. Da das ganze Starterfeld sehr nah beieinander ist, machen zwei Zehntel gleich mehrere Positionen in der Startaufstellung aus.

Stolz wie Oskar auf Hugo

Am Samstag hatten wir nur ein Rennen und das auch erst am späteren Nachmittag. Den Tag über habe schaute ich mit Dennis das Qualifikationsrennen der Formel 4, schrieb Autogramme, erklärte einer Mitarbeiterin meines Sponsors Hüsges mein Auto und sah den anderen Rennen an diesem Wochenende zu.

Auf meinen Formel 4 namens Hugo bin ich stolz, mein Mechaniker Florian Ebert checkt und putzt Hugo nach jedem Run. Ich liebe ihn – Hugo natürlich...

Vor dem Rennen gab es einige Besprechungen mit Dennis und Teamchef Timo Rumpfkeil, bei denen nochmal alle Daten und Auswertungen durchgegangen wurden. Da ich von Platz 13 ins Rennen ging und unbedingt Punkte sammeln wollte, bedeutete das: Ich will mindestens in die Top 10! Deshalb spielte ich im Geist alles ganz genau durch. Ich legte mir eine Strategie zurecht, um die Startphase im schwierigen, engen Mittelfeld sicher ohne Unfall zu überstehen. Denn Unfall heißt sehr wahrscheinlich Ausfall und Ausfall im ersten Rennen bedeutet, im dritten Rennen ganz hinten zu starten.
Breit wie ein Sattelzug

Am Start konnte ich mich innen einreihen – eine Sicherheitslinie. Das stellte sich aber leider als Fehler heraus, da es sich zur ersten Kurve hin auf der Innenbahn staute und links gleich vier (!) Fahrer an mir vorbeifuhren. Oh nein! Platz zehn war nun weit weg! Drei Positionen konnte ich rasch gutmachen und lief dann auf einen sehr erfahrenen Piloten auf. Obwohl ich deutlich schneller hätte fahren können, fand ich keinen Weg vorbei.

Der Gegner coverte mit all seiner Erfahrung die zwei, drei Überholmöglichkeiten am Sachsenring. Er war breit wie ein Sattelzug. Im Tourenwagen kann man ja mal anklopfen. Im Formel-Fahrzeug geht das nicht. LEIDER! Am Ende fuhr ich auf Platz 14 durchs Ziel. Das war nicht das Ergebnis, dass ich mir erhofft hatte. Mein Hals war ziemlich dick, wie ihr euch vorstellen könnt. Am Abend gab es dann noch etwas Datenarbeit, ein rasches Abendessen und früh ins Bett.
 
Nichts zu verlieren

Das zweite Rennen wurde am Sonntag um 11:20 Uhr gestartet – vor rund 12.000 Zuschauern und bei angenehmen, sonnigen Temperaturen. Die Startaufstellung in Rennen zwei wird nach der zweitschnellsten Runde im Qualifying ermittelt. Für mich bedeutete das Startplatz 13. Diesmal wollte ich meine Aggressivität zeigen. Kämpfen. Jede Chance nutzen. Ich hatte nichts zu verlieren. Überholen macht viel mehr Spaß als geblockt werden.

Schon der Start war gelungen. Ich konnte gut beschleunigen und gleich eine Position gutmachen. Das Auto fühlte sich sehr gut an. Jetzt macht‘s Spaß! Yes! Die Runden über konnte ich einige Positionen gutmachen und wurde am Siebte, trotz mehrerer Safty-Car-Phasen. Für Platz sechs hätte ich eine Runde mehr benötigt. Ein gutes Rennen. Team, Sponsoren und Familie waren sichtlich zufrieden mit meiner Performance. Ich zeigte Rennverständnis, tolle Fights und ich konnte Punkte für die Meisterschaft einfahren. In der Rookiewertung wäre es Platz 2 nach dem 19-jährigen Nicklas Nielsen gewesen.

Das letzte Rennen war Sonntagnachmittag um 15:40 Uhr. Startplatz nach Ergebnis Rennen eins gleich Platz 14. In der Startreihe kannte ich mich mittlerweile aus...

Guter Start, aber schlechte erste Runde, weil ich bei einem Zweikampf vor mir mein Auto schlecht positionierte und selbst zwei Plätze verlor. Meine Reifen waren in den ersten Runden nicht zu 100 Prozent, weshalb ich nicht sofort angreifen konnte. In Runde zwei kam ich weiter nach vorne. Als ich Platz zehn erreichte und wieder überholen wollte, kam wieder einmal das Safety Car auf die Strecke. Leider ging das vier Mal so in dem Rennen, sodass ich meine Position nur halten konnte. Platz zehn und damit einen Punkt für die Meisterschaft. Wir hatten eine sehr gute Pace. Ich fuhr in diesem Rennen eine der schnellsten Zeiten – auf uralten Reifen. Von weiter vorne gestartet wäre viel mehr möglich gewesen...

Mein Fazit: Das nicht so gute Qualifying hat mir leider die Rennen erschwert. Ich musste immer im Mittelfeld starten und das ist keine gute Ausgangsposition für ein Rennen. Meine gute Rennperformance brachte mir Lob ein. Ich konnte zeigen, dass mir Rennfahren großen Spaß macht. Wenn ich weiter vorne gestartet wäre, wäre bestimmt das Podium möglich gewesen, aber hätte, wäre, wenn… Ich versuche daraus zu lernen.

Der Lausitzring kann kommen. Das wird ein tolles Motorsportfestival gemeinsam mit der DTM. Ihr könnt sicher sein, dass ich mich dort optimal vorbereitet präsentiere. Eben powered by passion!

Eure
Sophia Flörsch

 

Quelle: http://de.motorsport.com/formel4/news/sophia-florsch-ein-formel-4-auto-namens-hugo-733931/